Sarah Beth Durst

05.2020 Julian Hübecker im Gespräch mit Sarah Beth Durst - Autorin von "Feuer & Gold".

Als Kind bin ich stundenlang im Wald hinter meinem Zuhause umhergestreift, auf der Suche nach einem Drachenei.

Jugendbuch-Couch: Als Autorin ist es wohl die größte Auszeichnung, wenn die eigenen Bücher auf der ganzen Welt gelesen werden. Was empfinden Sie, wenn Sie hören, dass Ihre Werke in Deutschland so gut angenommen werden?

Sarah Beth Durst: Ich fühle mich unglaublich geehrt! Der Gedanke, dass Leser jenseits eines ganzen Ozeans die Figuren treffen, deren Leben in meinem Kopf begonnen haben, macht mich dankbar und glücklich! Bücher hatten für mich immer schon etwas Magisches an sich. Geschichten können Menschen über Zeit und Raum hinweg verbinden. Ich bin begeistert, dass nun auch deutsche Leser Sky Hawkins kennenlernen und bei ihrem ersten Abenteuer begleiten werden.

Jugendbuch-Couch: Sie sind in erster Linie für Ihre Fantasy-Romane bekannt. Was fasziniert Sie an dem Genre? Können Sie sich auch vorstellen, andere Bücher zu schreiben?

Sarah Beth Durst: Als Kind bin ich stundenlang im Wald hinter meinem Zuhause umhergestreift, auf der Suche nach einem Drachenei. Zu jedem Geburtstag habe ich mir einen Zauberstab gewünscht. Jeden Abend vorm Schlafengehen habe ich in meinem Kleiderschrank nachgesehen, ob sich mittlerweile ein Portal nach Narnia aufgetan hat. Es war wohl unausweichlich, dass ich als Fantasy-Autorin enden würde.

Das Fantasy-Genre lehrt uns, der Realität um uns herum zu entkommen. Es eröffnet Raum für unvorstellbare Abenteuer, die Entdeckung anderer Welten, die Verwandlung in andere Wesen.

Die menschliche Fähigkeit, sich Dinge vorzustellen, die es gar nicht geben kann, hat mich schon immer fasziniert. Ich glaube, genau diese Fähigkeit macht uns zu besseren, stärkeren Menschen, da wir so unseren Horizont über das hinaus erweitern, was wir sehen, hören und anfassen können.

Außerdem finde ich Drachen einfach cool.

Vielleicht werde ich irgendwann mal etwas anderes schreiben – die Welt steckt voller Geschichten, die nur darauf warten, erzählt zu werden. Aber für mich ist es wichtig, dass ich über das schreibe, was ich liebe – und Fantasy liebe ich!

Jugendbuch-Couch: Nun sind also Wyvern, die Werdrachen, die zentralen Elemente geworden. Warum haben Ihre Drachen eine Schwäche für Gold? Haben Sie sich hier bestimmter Folklore oder eigener Vorlieben bedient?

Sarah Beth Durst: Meine Werdrachen sollten wie die Vorfahren richtiger Drachen wirken, also habe ich mir eine ganze Menge an Drachen-Mythologie zu Gemüte geführt, bevor ich mit dem Schreiben angefangen habe. Die Wyvern-Kultur habe ich sehr bewusst auf dem Fundament dessen errichtet, was man in klassischen Legenden über Drachen finden kann.

Dazu gehört auch, dass sie oft einen Goldschatz bewachen. Deshalb wird in meiner Wyvern-Gesellschaft deine Machtstellung direkt von deinem Vermögen abgeleitet, bzw. vom Umfang deines Goldvorrats. Außerdem hatte ich die Idee, die Wyvern zu Meisterdieben zu machen. Die Durchführung des ersten eigenen Raubzuges ist sozusagen ihr Initiationsritus.

Da setzt Sky’s Geschichte an: Zu Beginn von Feuer & Gold möchte sie ihre Familienehre mit einem großen Coup wiederherstellen… und deckt dabei zufällig allesverändernde Geheimnisse auf.

Jugendbuch-Couch: Ihre Geschichte um die Wyvern ist sehr detailliert. Wie lange brauchen Sie, um so ein Grundgerüst aus Handlung, Beziehungen und Raum zu schaffen?

Sarah Beth Durst:Feuer & Gold ist die Story eines Raubzugs. Es gibt also ein Ziel, ein Team, einen Plan… und alles muss in bahnbrechendem Tempo ineinandergreifen. Bis alles so passte, wie ich es haben wollte, hat es vermutlich 30 Entwürfe und zahllose Notizen gebraucht. Einen Raub-Roman zu schreiben, kommt einem tatsächlichen Raub sehr nahe: Beides erfordert sehr viel Vorplanung!

Jugendbuch-Couch: Mich hat unter anderem Sky sehr begeistert. Sie wirkte so furchtlos und unerschrocken, obwohl mit 16 noch sehr jung. Ist das ein allgemeiner Charakterzug von Wyvern oder warum haben Sie Sky so gestaltet?

Sarah Beth Durst: Sky ist geistreich, selbstverliebt, kennt keine Angst… und sie so zu schreiben hat solchen Spaß gemacht! Will ich eine glaubhafte Figur erschaffen, muss ich sie vorher lieben lernen. Sky hat mir das sehr leicht gemacht: Sie hatte mich von dem Augenblick an in der Tasche, als sie kopfüber von dem Kronleuchter der Villa ihrer Eltern baumelt, um einen Dieb dingfest zu machen.

Ihr Mut ist nicht bloß ein typischer Wyvern-Zug. Der steckt ganz in ihr.

Jugendbuch-Couch: Das Buch scheint abgeschlossen zu sein. Gibt es weitere Geschichten, die im gleichen Universum spielen? Sind welche geplant?

Sarah Beth Durst: Abgeschlossene Geschichten schreibe ich am liebsten! So kann man eine vollständige Story an einem Stück und ohne Cliffhanger zustande bringen. Dementsprechend habe ich im Moment auch keine wirklichen Pläne für eine Fortsetzung, denn Feuer & Gold war als eine solche abgeschlossene Geschichte geplant. Allerdings muss ich zugeben, dass ich Sky und ihre Freunde sehr vermisse. Also wer weiß, was vielleicht die Zukunft noch bringt?

Wer mehr darüber erfahren will, woran ich gerade arbeite, ist herzlich eingeladen, meine Website zu besuchen: www.sarahbethdurst.com. Oder schaut doch mal auf Twitter, Instagram oder Facebook vorbei – ihr findet mich unter @sarahbethdurst.

Jugendbuch-Couch: Ich danke Ihnen für das Interview!

Sarah Beth Durst: Ich habe zu danken!

Das Interview führte Julian Hübecker im Mai 2020.
Übersetzt aus dem Englischen von Yannic Niehr.
Foto © Adam Durst

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