Zwischen vorhersehbar und überraschend - das Ende reißt hier vieles raus
Seit dem plötzlichen Verschwinden ihrer Mutter schlägt sich die 17-jährige Marlow als Fluchbrecherin durchs Leben. Vom edlen, reichen und sauberen Evergarden der Nouvelle Noblesse ging es in die sumpfigen Marschen der geteilten Stadt Caraza. Marlow weiß sich zwar inmitten der Bandenkriege der Reepers und Copperheads zu behaupten, doch die Frage, wo ihre Mutter Cassandra abgeblieben ist, nagt zu sehr an ihr, als dass sie damit abschließen könnte. Als eines Tages Adrius Falcrest, Nachkomme der einflussreichen Falcrest-Familie aus Evergarden, vor Marlow steht und sie um das Brechen seines Fluchs bittet, ist sie hin und hergerissen. Einerseits hatte sie sich geschworen, nie wieder auf ihn hereinfallen zu wollen, nachdem er sie vor genau einem Jahr so verletzt hat. Andererseits ist es die Gelegenheit, im Gegenzug mehr über Cassandras Verschwinden herauszufinden.
Adrius steht unter einem der schlimmsten Flüche überhaupt: dem Nötigungsfluch. Es braucht nur einen Befehl und Adrius gehorcht. Widerwillig geht Marlow mit dem Falcrest-Sprössling eine Fake-Beziehung ein, um näher an sein Umfeld und die Person zu gelangen, die für den Fluch verantwortlich ist. Jedoch ist sowohl Adrius als auch Marlow schon bald nicht mehr klar, was nun gespielt und was echt ist…
Klassische Romance Tropes
Fake-Dating, Enemies-to-Lovers und aufkommende Gefühle - das klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich neu und aufregend. Wirklich überrascht ist man dementsprechend nicht, als aus den pampigen ersten Gesprächen zwischen Marlow und Adrius schon bald knisternde Annäherungen entstehen. Natürlich glaubt der jeweils andere dabei immer, dass er oder sie romantische Gefühle dabei nur vortäuscht. Romantasy-Fans werden es lieben, jedoch ist es nicht das Handlungselement, das die Story vorantreibt.
Marlow lebt in einer Welt von Zaubern und Flüchen. Sie selbst trägt immer einen Satz an Hexkarten mit sich herum, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. Der nächste Angriff kommt bestimmt, gerade in den Marschen ist das sicherlich keine Seltenheit. Von Anfang bis Ende sticht Marlow als selbstbewusste, toughe und unerschrockene Protagonistin hervor, die mutig ihren eigenen Weg geht. Doch in Gegenwart von Adrius kommt immer wieder ihre weiche Seite hervor, ein Ruf nach Liebe und Geborgenheit.
Die anderen Charaktere bleiben leider ein wenig blass. Adrius kommt nicht wirklich über das klischeehafte Erscheinungsbild des reichen, unnahbaren Frauenhelds hinweg. Zwar wird er in seinem Auftreten immer zugewandter, tiefgründiger und sympathischer, aber ein wirklicher Zugang zu seiner Person bleibt versperrt. Auch Swift, Marlows bester Freund, oder die Schönen und Reichen der Nouvelle Noblesse hätten ein paar mehr Konturen verdient gehabt.
Starkes Finale
Gleich zwei Handlungsstränge halten den Spannungsbogen jedoch konstant hoch: der zu brechende Nötigungsfluch von Adrius sowie das unerklärliche Verschwinden von Marlows Mutter. Nach und nach kommen Hinweise ans Licht, werden Fäden miteinander verwoben und alte Vermutungen über den Haufen geworfen. Ein bisschen erinnert die Story an einem Krimi, bei dem die Leserinnen und Leser ihre eigenen Tipps abgeben können: Wer war es? Wer hat ein Alibi?
Zugegeben, nach zwei Dritteln glaubt man zu wissen, wie es ausgeht. Doch die letzten 100 Seiten sorgen für einen regelrechten Endspurt, bei dem die Karten nochmal vollkommen neu gemischt werden. Ein Cliffhanger, der es in sich hat und Vorfreude auf die Fortsetzung der Dilogie macht.
Fazit
Ein genretypischer Romantasy-Titel, der seine Fans finden wird. Hier und da wäre noch etwas Luft nach oben, aber es reicht trotzdem, um Lust auf den zweiten Teil zu machen.

Deine Meinung zu »Garden of the Cursed«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!